EPI und die europäische Zahlungsinitiative: Was das für Online Casinos bedeutet

European Payments Initiative EPI und ihre Bedeutung für Online Casinos in Europa

Ladevorgang...

EPI: Warum 16 europäische Banken ein eigenes Zahlungssystem bauen

In einem Konferenzraum in Brüssel saß ich vor zwei Jahren neben einem Vertreter der EPI Company und hörte zum ersten Mal die Vision, die hinter dem Projekt steckt: ein europäisches Zahlungssystem, das es mit Visa, Mastercard und PayPal aufnehmen kann. Damals klang das ambitioniert. Heute, mit über 1.100 beteiligten Banken und Acquirern, sieht die Sache anders aus.

Die European Payments Initiative – kurz EPI – ist ein Zusammenschluss von 16 europäischen Banken, die ein gemeinsames Ziel verfolgen: Europa soll nicht länger von amerikanischen Zahlungssystemen abhängig sein. Visa und Mastercard dominieren den europäischen Kartenmarkt, PayPal den Online-Zahlungsverkehr. Jede Transaktion, die über diese Netzwerke läuft, fließt durch Server und Abrechnungssysteme, die außerhalb Europas kontrolliert werden. Das betrifft auch jede Casino-Einzahlung, die über eine Kreditkarte oder ein US-basiertes E-Wallet abgewickelt wird. EPI will diese strukturelle Abhängigkeit brechen und eine europäische Alternative schaffen, die denselben Komfort bietet, aber unter europäischer Kontrolle steht.

Das Instrument, mit dem EPI diesen Wandel vorantreibt, heißt Wero. Wero ist die verbrauchernahe Seite des Projekts – die App, die Schnittstelle, das, was der Nutzer letztendlich auf seinem Smartphone sieht. Dahinter steht die EPI-Infrastruktur, die auf dem bestehenden SEPA-Instant-Netzwerk aufbaut und es um Wallet-Funktionen, Händlerzahlungen und perspektivisch auch iGaming-Integration erweitert.

Für den Online-Casino-Markt in Deutschland ist EPI aus einem konkreten Grund relevant: Das Projekt könnte die Lücke füllen, die giropay hinterlassen hat – mit einer Lösung, die nicht national begrenzt ist, sondern grenzüberschreitend funktioniert. Dass der legale deutsche iGaming-Markt 2026 einen prognostizierten Umsatz von über 4 Milliarden Euro erreicht, macht die Integration für EPI wirtschaftlich attraktiv.

Aufbau und Beteiligte der European Payments Initiative

Die Struktur von EPI verstehe ich am besten über einen Vergleich: Stellen Sie sich ein Konsortium vor, das wie Airbus funktioniert – mehrere europäische Nationen bündeln Ressourcen, um etwas zu schaffen, das keines von ihnen allein stemmen könnte. Nur dass es hier nicht um Flugzeuge geht, sondern um Zahlungsinfrastruktur.

Die EPI Company mit Sitz in Brüssel ist die operative Einheit. 16 Banken aus Frankreich, Deutschland, Belgien und weiteren europäischen Ländern sind Anteilseigner. Aus Deutschland sind die großen Institutsgruppen beteiligt: Sparkassen, Genossenschaftsbanken und private Geschäftsbanken. Diese Breite ist entscheidend, denn ein Zahlungssystem ist nur so nützlich wie die Zahl der Banken, die es unterstützen. Bis 2026 hat EPI die Zahl der Teilnehmer auf über 1.100 Banken und Acquirer ausgebaut – eine beeindruckende Expansion in weniger als drei Jahren.

Martina Weimert, CEO der EPI Company, hat die strategische Dringlichkeit hinter dem Projekt in einer Aussage verdichtet: Europa habe zwar nationale Zahlungssysteme, aber nichts Grenzüberschreitendes. Wenn Unabhängigkeit als entscheidend angesehen werde und allen klar sei, dass es eine Frage der Zeit sei, müsse dringend gehandelt werden. Dieser Satz fasst zusammen, warum EPI existiert – es ist kein Innovationsprojekt, sondern ein Infrastrukturprojekt mit geopolitischer Dimension.

Die technische Basis bildet das SEPA-Instant-Netzwerk, das bereits europaweit Echtzeitüberweisungen ermöglicht. EPI baut darauf auf und ergänzt Funktionen, die SEPA allein nicht bietet: ein digitales Wallet, Wero als nutzerfreundliche Zahlungsmarke, Peer-to-Peer-Transfers und perspektivisch auch Zahlungen am Point of Sale und im E-Commerce. Die iGaming-Integration ist in dieser Roadmap explizit vorgesehen, auch wenn der genaue Zeitrahmen noch nicht feststeht.

Ein Aspekt, der in der öffentlichen Diskussion oft zu kurz kommt: EPI ist keine staatliche Initiative, sondern ein privatwirtschaftliches Projekt der Banken selbst. Die beteiligten Institute tragen das Investitionsrisiko, erwarten aber im Gegenzug, dass sie die Kontrolle über ein System behalten, das sie selbst gebaut haben. Für den iGaming-Sektor ist das ein zweischneidiges Schwert: Einerseits bringt es schnellere Entscheidungswege als ein EU-Behördenprojekt, andererseits hängt der Erfolg davon ab, ob genügend Banken langfristig mitmachen.

Bedeutung für den iGaming-Markt: Unabhängigkeit von US-Anbietern

Ich habe in neun Jahren Branchenbeobachtung ein Muster gesehen, das sich in regelmäßigen Abständen wiederholt: Ein US-amerikanischer Zahlungsanbieter ändert seine Richtlinien zum iGaming, und tausende Spieler und Operatoren in Europa stehen vor vollendeten Tatsachen. PayPal hat sich mehrfach aus bestimmten Casino-Märkten zurückgezogen und dann wieder expandiert. Visa und Mastercard verschärfen regelmäßig ihre Merchant Category Codes für Glücksspiel. Die europäische iGaming-Branche hat auf diese Entscheidungen keinen Einfluss – sie reagiert nur.

EPI bietet zum ersten Mal die Perspektive, dass europäische Casinos und Spieler über ein Zahlungssystem verfügen, dessen Regeln in Europa gemacht werden. Das ist keine theoretische Überlegung. Wenn ein GGL-lizenziertes Casino in Deutschland heute auf PayPal als primäre Zahlungsmethode setzt und PayPal morgen seine iGaming-Politik ändert, steht der Betreiber vor einem Problem, das er nicht kontrollieren kann. Mit EPI und Wero hätte er eine Alternative, die denselben regulatorischen Rahmenbedingungen unterliegt wie er selbst – und deren Governance in europäischer Hand liegt.

Die EPI-CEO Martina Weimert hat das schnelle Wachstum und die Akzeptanz von Wero als Beleg dafür gewertet, dass eine Nachfrage nach einem europäischen Zahlungssystem besteht, das sofortige Zahlungen mit einer Wallet und breiter Händlerreichweite kombiniert. Für den iGaming-Markt übersetze ich das so: Der Bedarf ist da, die Infrastruktur wächst, aber die konkrete Casino-Integration braucht noch Zeit. Die technischen Voraussetzungen sind mit SEPA Instant und der wachsenden Wero-Nutzerbasis geschaffen – jetzt fehlt die kommerzielle Vereinbarung zwischen EPI und den iGaming-Payment-Providern.

Das globale Volumen der A2A-Zahlungen – also direkter Transfers vom Bankkonto zum Empfänger ohne Kartennetzwerk – soll bis 2030 auf 3,8 Billionen Dollar anwachsen. EPI positioniert sich mit Wero als europäischer Player in diesem Wachstumsmarkt. Für Online Casinos in Deutschland wird die Frage nicht sein, ob sie EPI-basierte Zahlungen integrieren, sondern wann. Der deutsche iGaming-Markt mit seinem prognostizierten Volumen von über 4 Milliarden Euro im Jahr 2026 ist ein zu attraktives Segment, als dass EPI es langfristig ignorieren würde.

Was ich Spielern empfehle, die sich für die Zukunft des iGaming-Zahlungsverkehrs interessieren: Beobachten Sie die Wero-Roadmap. Der Schritt von P2P-Zahlungen – Geld zwischen Privatpersonen – zu Merchant Payments – Zahlungen an Unternehmen, einschließlich Casinos – ist der entscheidende nächste Meilenstein. Sobald dieser erreicht ist, ändert sich die Landschaft der Casino-Zahlungen in Europa grundlegend. Bis dahin sind Spieler gut beraten, die bestehenden Alternativen zu nutzen und die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen.

FAQ: EPI und Online Casinos

Ist EPI eine Alternative zu Visa und Mastercard fuer Casino-Zahlungen?
Langfristig ja. EPI zielt darauf ab, ein eigenstaendiges europaeisches Zahlungsnetzwerk zu schaffen, das Kartenzahlungen, Ueberweisungen und Wallet-Funktionen vereint. Im Casino-Bereich wird EPI ueber Wero als Zahlungsmethode verfuegbar sein, sobald die Merchant-Payment-Funktion im iGaming integriert ist. Stand 2026 ist diese Integration noch nicht abgeschlossen.
In welchen Laendern ist EPI bereits aktiv?
Wero, die Verbrauchermarke von EPI, ist in Deutschland, Frankreich und Belgien aktiv und verzeichnet ueber 52 Millionen registrierte Nutzer. Die Expansion in weitere europaeische Laender laeuft parallel zum Ausbau der Teilnehmerbanken, deren Zahl 2026 bei ueber 1.100 liegt.

Geschrieben von der Redaktion „GiroSpin".